Bericht „Wozu zum Henker“

Klapperfeld

Am 23.07 fand unsere erste öffentliche Veranstaltung, seit der Neugründung der
„Aktion kritischer Jurastudent_innen“ statt. Unter dem Motto „Wozu zum
Henker?“ fand die Auftaktveranstaltung zu einer strafrechtskritischen Veranstaltungsreihe statt.
Die erste Veranstaltung diente einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Strafrecht und seinen Folgen
allgemein.
Die vergangene Veranstaltung sowie die ganze Reihe findet in Kooperation mit der Initiative faites votre jeu im ehemaligen Gefängnis Klapperfeld statt.
Unserer Meinung nach schrie dieser Ort gerade zu nach einer strafrechtskritischen Reihe.
Das Klapperfeld hat bereits eine wechselvolle Geschichte durchgemacht. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde es als Anstalt
für Pestkranke genutzt und im Dritten Reich wurde es zum Gestapo Knast umfunktioniert. Während der Studentenunruhen in den 60ern (und auch bis ins 21 Jahrhundert…) wurden viele Demonstrierende und politische Häftlinge in der Klapperfeldstraße vorübergehend inhaftiert und bis c.a. 2003 wurde es als Abschiebeknast genutzt. Seit April 2009 wird das Gefängnis nun von der Initiative „faitre voutre jeu“ für Kunst, Politik und Jugendkultur genutzt, nachdem sie das besetzte ehemalige Jugendzetrum Bockenheim aufgeben musste.

Unsere Veranstaltung traf auf ein reges Interesse, ca. 40-50 Leute hatte ihren Weg in die Klapperfeldstraße gefunden. Wir diskutieren mit den beiden eingeladenen Referenten Thomas Balzer und Oliver Brüchert. Thomas Balzer erklärte in einem Input die Funktionsweise des staatlichen Strafens.
Geschaffen als Mittel die Sicherheit der Bevölkerung und zur Festigung der Normentreue, erfüllt das Strafsystem noch nicht einmal seinen eigenen Anspruch.
Eine wirkliche „Resozialisierung“ findet in Gefängnissen nicht statt. Vielmehr steigt die Rückfallquote bei
vielen Menschen, die ins Gefängnis gekommen sind. Klassisch ist das Bild der kleinkriminelle_n Wiederholungstäter_in, die erst in Haft Kontakt zur „Szene“ erhält und sich nach der Entlassung aufgrund fehlender Zukunftsaussichten und sozialem Labeling ihre kriminelle Karriere richtig startet.
Viele Handlungen, die in Deutschland unter Strafe stehen, z.B. Verstöße gegen das
Betäubungsmittelgesetz oder das Ausländerrecht, kriminalisieren einzelne
Bevölkerungsgruppen und führen auch dazu, dass besonders untere soziale
Schichten und Menschen ohne Perspektive vom Strafsystem erfasst werden.
Das Strafrecht wird dabei als alternativlos konstruiert und jegliche
Debatten um eine Aufweichung des Strafrechts, geschweige dessen
Abschaffung, werden durch die politischen Diskurse verhindert. Strafen
wird von staatlichen System eben auch als ein Unterdrückungs- und
Machtinstrument genutzt.

Oliver Brüchert lenkte den Blick auf die Funktion der Medien im Umgang
mit Kriminalität. Er kritisierte dabei vor allem, dass in den Medien ein
bestimmter Typus von Straftäter gezeigt wird, in der Regel junge,
ausländische Männer und dadurch auch eine Abschreckung stattfindet. Auf
der anderen Seite verharmlosen die Medien aber auch Straftaten, indem in
sog. „Knast-Soaps“ scheinbar resozialisierte Jugendliche gezeigt werden,
die sich beim strafenden Staat für ihre Genesung in der Haft bedanken-
dabei aber in der Regel fast keine Möglichkeit haben, sich wieder in ein
nicht kriminalisiertes soziales Netz zu integrieren.

Die anschließende Diskussion drehte sich vor allem darum, ob man das
Strafrecht überhaupt komplett abschaffen könnte. Was ist z.B. mit
Rechtsextremen die Ausländer töten oder mit Vergewaltigern? Sollen
solche Menschen nicht auf irgendeine Art eine „gerechte“ Strafe für ihre
Tat erhalten? Wie geht man gerade aus einer linken Perspektive mit
diesem Problem um? Einig war man sich, dass bestimmte Straftatbestände,
wie Drogenmissbrauch oder Paragrafen aus dem Ausländerrecht, am besten
abgeschafft gehören.

Ab Herbst werden wir eine ganze Veranstaltungsreihe zu dem Thema
„Strafrechtskritik“ abhalten und die Termine auf der Homepage
veröffentlichen.


1 Antwort auf “Bericht „Wozu zum Henker“”


  1. 1 Wozu zum Henker? Bericht des AKJ Ffm « fight fire with fire Pingback am 23. August 2009 um 18:27 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.