Stellungnahme: Änderungen an der Studien- und Prüfungsordnung im Fachbereich 01 – Rechtswissenschaften

Zur Zeit sind Änderungen an der Studien- und Prüfungsordnung geplant. Am nächsten Mittwoch, dem 27.1.2010 wird der Fachbereichsrat über Änderungen an der Prüfungsordnung diskutieren und abstimmen. Zunächst fällt auf, dass keine der geplanten Änderungen im Internet frei einsehbar ist; ob das ein Versäumnis oder eine gewollte Strategie ist, sei mal dahingestellt. Es zeugt jedenfalls nicht von einer Bereitschaft zur Transparenz.

Heftig diskutiert wurde über eine eher kleine Regelung in der Studienordnung, die Sanktionen für das „Abspringen“ von Seminararbeiten im Schwerpunktbereich ermöglicht. Konkret sollten die Wahlmöglichkeiten der Studierenden dahingehend eingeschränkt werden, dass sie nicht mehr komplett frei wählen können, welche Leistungen in den Notendurchschnitt für den Schwerpunktbereich einfließen. Im Studien- und Lehrausschuss wurde nach anderen Lösungen für dieses Problem gesucht und so konnte diese Regelung, die wahrscheinlich keine Wirkung gehabt hätte, verworfen werden.

Gegen die Verkürzung des Schwerpunktbereichs!

Eine andere Änderung wurde aber nicht verworfen, die wir hier kritisieren wollen. In Zukunft soll die Examensvorbereitung an der Universität („Uni-Rep“) verstärkt werden. Dies ist ein Vorhaben, das grundsätzlich begrüßenswert ist, weil dadurch die Möglichkeiten, ohne privaten Nachhilfeunterricht ein gutes Examen zu bekommen, verbessert werden.
Mit der Verstärkung des Uni-Reps sollen die Semesterwochenstunden (SWS) dafür im Modulplan erhöht werden und – das kritisieren wir – diese dafür im Schwerpunktbereich verringert werden. Die Seminare im Schwerpunktbereich sind der Ort, an dem die Einheit von Forschung und Lehre stattfindet: Hier lässt sich ernsthaft mit Profs. kommunizieren; es lässt sich an Grundsätzen des Rechtssystem forschen und viele „Softskills“ erlernen. Die Rechtswissenschaften sind eben auch eine Wissenschaft und nicht nur eine Ausbildung zum Anwalt/Anwältin oder zum Richter/zur Richterin.
Sie sind qualitativ auf einem viel höheren Level, als es die Massenvorlesungen von den kleinen und großen Scheinen sind, die mit Klausuren und Hausarbeiten abgeschlossen werden, wo 100-300 Studierende sich mit genau dem gleichen Sachverhalt beschäftigen. Diese Art des Leistungsnachweis zieht sich durch den (langen) Anfang des Jurastudiums und bestimmt ebenso das Ende (5 Klausuren über den gesamten Stoff, auf die mensch sich in der Regel ein Jahr lang vorbereitet).
Diese Art des Leistungsnachweises sorgt dafür, dass juristische Entscheidungen nicht kritisch hinterfragt werden, sondern „herrschende Meinungen“ angenommen werden. Die Rechtswissenschaften an der Universität Frankfurt haben einen guten Ruf; einen Schwerpunktbereich „Grundlagen des Rechts“ gibt es nicht an vielen anderen Universitäten in Deutschland. Aber auch in den anderen Schwerpunktbereichen werden wichtige grundsätzliche Fragen diskutiert (etwa „Probleme der kollektiven Tatbegehung“; „Bankenrettung, Transparenz und Demokratie“ ).

Für ein kritisches und selbstbestimmtes Jura-Studium!

Die Giraffen argumentieren nun:

„Wer sein Studium schnell durchziehen will, kann das noch besser tun als zuvor. Wer sich Zeit lassen will, hat weiterhin keine Konsequenzen zu befürchten “ sagt Oliver Garlipp. Damit wurde eine Neuregelung gefunden, die allen Studenten gerecht wird.“

Dahinter steckt das Argument, dass Interessierte ja nicht daran gehindert wären, mehr Seminare zu besuchen, als sie müssten. Dieses Argument schlägt aus mehreren Gründen fehl.

1. Werden die Zahlen der SWS ja nicht dafür benutzt, den Studierenden zu sagen, wieviel sie in welchem Fach studieren sollen, sondern könnten zum Beispiel auch benutzt werden, als Begründung für das Verteilen von Geldern; für die Frage, wieviele Seminare angeboten werden; oder auch für das Auswählen zwischen Studierenden, falls zuviele sich für ein bestimmtes Seminar anmelden.
2. Es ist auch jetzt schon der Fall, dass sehr viele Studierende mehr Seminare machen als sie müssten. Es ist also nicht so, dass sich nur sehr wenige dafür interessieren würden und die meisten nur „schnell durchziehen“ wollen.
3. Es ist aufgrund der Verfasstheit der Jurist_innenausbildung und wegen Bafög-Regelungen keineswegs so, dass sich „Zeit lassen“ keine Konsequenzen nach sich ziehen würde.
4. Mit der Verringerung der SWS des Schwerpunktbereichs wird auch eine normative Wertung über die Notwendigkeit des Schwerpunktbereichstudiums getroffen. Um zu verhindern, dass der Schwerpunktbereich noch weiter abgewertet wird oder auf einmal zu einem Master-ähnlichen Studiengang mit neuen strengen Zulassungsbeschränkungen verändert wird, sollten jegliche Kürzungen verhindert werden.

Sicherlich ist es so, dass Wege gefunden werden müssen, um das Bedürfnis nach „schnellem Durchziehen“ (schließlich wollen ja wirklich sehr viele „einfach nur“ Anwalt oder Anwältin werden) und ein kritisch wissenschaftliches Studium der Rechtswissenschaften zu vereinen.
Dies bedarf aber aus unserer Sicht einem wirklich gleichwertigen Nebeneinander, sowohl der juristischen Ausbildung, als auch der wissenschaftlichen Arbeit. Wir wehren uns gegen die zunehmende Tendenz der Ökonomisierung des Studiums, die wir auch in dieser Reform des Schwerpunktbereichs sehen. „Schneller zu studieren“ heißt nicht per se „besser oder kritischer zu studieren“. Das Studium muss vielmehr den Raum dafür bieten, dass alle Menschen sich ihren individuellen Interessen gemäß weiterbilden können.

Deswegen können wir nur dazu anregen, zur Fachbereichsratssitzung zu gehen, mit den dortigen VertreterInnen zu diskutieren und die studentischen VertreterInnen der Giraffen und Jusos im Recht dazu auffordern, dagegen zu stimmen.


1 Antwort auf “Stellungnahme: Änderungen an der Studien- und Prüfungsordnung im Fachbereich 01 – Rechtswissenschaften”


  1. 1 Aktuelle Änderungen der Studienordnung für den Studiengang Rechtswissenschaft an der Goethe-Universität « (Un)kluk Pingback am 05. April 2010 um 19:28 Uhr
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