Bericht über unseren Workshop „Examen ohne Rep“

Was mach ich nur, wenn ich mich entschlossen habe, mich nun endlich aufs Examen vorzubereiten? Wie bewältige ich den riesigen Berg Stoff aus allen Rechtsbereichen? Soll ich meinen Freuden sagen, dass ich die kommenden 12 Monate nicht zu erreichen bin, weil ich fürs Examen lerne? Und überhaupt wie mache ich das alles?

Diese Fragen stellen sich viele Examenskandidat_innen am Anfang ihrer Vorbereitung. Und viele überfällt dabei die Angst, dabei etwas falsch zu machen und am Ende durchs Examen zu fallen. Genau von diesen Ängsten profitieren die vielen kommerziellen Repetitorien. Sie versprechen oftmals eine „Examens-Garantie“, wenn man an ihren Lernkursen teilnimmt. Dass man das Examen auch ohne die Repetitorien schaffen kann, können sich viele Studierende nicht vorstellen. Deshalb veranstalteten wir, zusammen mit dem Mitautor des Buches „Examen ohne Rep“ Philip Rusche, am 16.12.2011 einen halbtägigen Workshop an der Uni Frankfurt um etwas zu alternativen Vorbereitungsmethoden fürs Examen zu erfahren. Etwa 15 Jura-Studierende folgten unserer Einladung.

Am Anfang erzählte uns Phillip etwas über die Methoden und die Arbeitsweise der kommerziellen Repetitorien. Sie leben vor allem von den Mythen über das Staatsexamen, die unter Studierenden kursieren. Etwa von der hohen Durchfallquote, dem überfordernden Lernstress und dem Zusammenbruch des sozialen Lebens während der Vorbereitung. Dabei haben die Repetitorien durchaus ihre Schwächen. Zum einen kosten diese viel Geld. Um dieses zu erwirtschaften, müssen die Studierenden oftmals zusätzlich arbeiten gehen. Dies ist Zeit, welche ihnen dann fürs Lernen fehlt. Außerdem bestehen die Vorbereitungsgruppen der Repetitorien oftmals aus mehreren Duzend Menschen. Individuelle Lernniveaus und individuelle Förderung treten dann in den Hintergrund. Man trifft sich „in der Mitte“, die Lernstärkeren werden dann oftmals unterfordert, während das Tempo für die Lernschwächeren viel zu schnell ist. Dies kann einige Teilnehmer_innen demotivieren und sie dadurch in noch größere Stresssituationen versetzen. Durch die inhaltlichen Vorgaben des Repetitors hat man außerdem wenig Einfluss auf eigene Schwerpunktsetzungen. Und weil die Stofffülle schnell bewältigt werden soll, begnügt man sich oft mit dem Auswendiglernen der herrschenden Meinung und den wichtigsten Streitständen, die für die Klausur relevant sein könnten. Ein echtes Verständnis der rechtlichen Probleme wird dabei nicht gefördert. Diese Punkte treffen leider auch oft auf die Angebote der Universitäts-Repetitorien zu.

Doch man kann sich auch erfolgreich ohne Repetitorium auf das Examen vorbereiten. Diese Strategie erfordert allerdings Motivation und Selbstvertrauen (welches man im Rep nicht kriegt). Um die Angst nicht zu hoch zu schrauben sollte man dabei immer im Hinterkopf behalten, dass es auch einen „Plan B“ gibt. Denn das kommerzielle Repetitorium kann ja immer noch jederzeit besucht werden.

Und wie funktioniert nun solch eine eigenständige Vorbereitung auf das Examen? Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Die naheliegenden dabei sind: die Vorbereitung in einer Lerngruppe oder die Vorbereitung alleine. Möglich sind auch Mischformen davon: etwa eine „Kontrollgruppe“, die sich nicht so oft trifft und nur der Kontrolle des eigenen Lernfortschritts dient. Natürlich können diese Arten der Vorbereitung auch mit einem (Uni-)Rep-Besuch kombiniert werden.

Die Arbeitsgruppe

Eine der erfolgreichsten Methode zur Vorbereitung ist sicherlich das Lernen in der Arbeitsgruppe. Sie bietet vor allem den Vorteil, dass man durch sie ständig gefordert wird selbst zu argumentieren und sich den Argumenten anderer zu stellen. Ein nicht zu überschätzender Vorteil für Klausuren und die mündliche Prüfung.

Gruppengröße: Diese sollte dabei aus 2-6 Leuten bestehen. Je mehr Leute es sind, desto mehr Arbeit lässt sich verteilen und desto weniger muss der/die Einzelne machen. Allerdings ist die Arbeit in einer kleinen Gruppe intensiver, weil jede_r sich mit einbringen muss und weil die Koordination der Gruppe einfacher wird.

Gruppenzusammensetzung: Wie die Gruppe zusammengesetzt sein soll muss individuell entschieden werden. Eine Gruppe aus Freunden kann Gefahr laufen, dass man immer wieder vom Lernen abweicht und sich mit anderen Dingen beschäftigt. Bei Gruppen aus sich völlig unbekannten Menschen können Konflikte leichter entstehen und somit ebenfalls die Arbeit behindern. Am besten geeignet sind deshalb gemischte Gruppen, wo man mit bekannten und unbekannten Menschen zusammen lernt.

Schwerpunktbereiche: Bei der Gruppe sollte man darauf achten, dass die Teilnehmer_innen aus verschiedenen Schwerpunktbereichen kommen. So läuft man nicht Gefahr, bestimmte Rechtsgebiete bei der Vorbereitung auszusparen und man hat zu jedem Thema immer eine_n Expert_in in der Gruppe.

Notenniveau: Im Examen werden erfahrungsgemäß die Karten neu gemischt. Dadurch können Leute mit bisher guten Noten auch schlecht abschneiden und umgekehrt. Deshalb empfiehlt es sich bei der Zusammensetzung der Gruppe nicht zu sehr auf ein gleiches Notenniveau zu achten. Vielmehr ist entscheidend welchen inhaltlichen Anspruch die Gruppe an das Lernen hat. Dieses Niveau sollte für alle einigermaßen gleich sein, weil es sonst zu Unter- und Überforderung und damit zu Stresssituationen führen kann.

Zeiteinteilung: Bei der Zeiteinteilung sollte man zunächst einen Gesamtplan festlegen. Wollen wir uns 1, 2 oder 3 Semester zur Vorbereitung nehmen? Wichtig dabei ist, sich von vorne rein auch Urlaubs- und Pufferzeiten einzuplanen. Die Pufferzeiten können genutzt werden um Krankheits- oder Ausfallzeiten nachzuholen. Außerdem bieten sie Platz für Wiederholungen oder eine außerplanmäßige intensivere Beschäftigung mit einem bestimmten Thema.

Lernplan: Ein konkreter Lernplan kann die Arbeit erheblich erleichtern. Man realisiert damit, dass der Berg an Stoff beherrschbar ist und kann immer wieder kleine „Erfolge“ feiern, wenn man einen bestimmten Abschnitt des Plans abgearbeitet hat. Der Plan kann aber auch demotivierend sein, etwa wenn er zu anspruchsvoll erstellt wurde und man immer wieder hinter ihn zurückfällt. Außerdem ist die Erstellung eines solchen Plans ziemlich aufwendig. Man sollte sich im Klaren über den zeitigen Aufwand dafür sein. Der Inhalt eines Lehrplans kann einzelne Wochen- oder Sitzungspläne enthalten, auf denen festgehalten wird, welches Thema wann und innerhalb wie vieler Sitzungen bearbeitet wird. Außerdem sollten im Plan auch Wiederholungen einzelner Sitzungen und die Einbindung der Uni-Rep Besuche berücksichtigt werden. Im Plan kann außerdem die Lernliteratur zu den einzelnen Themen festgehalten werden.

Sitzungen: Wie oft und für wie lange man sich trifft sollte am Anfang festgelegt werden. Denkbar wären viele kurze Sitzungen, mit entsprechend längerer eigener Vor- und Nachbereitung oder auch längere Sitzungen, wo man mehr gemeinsam erarbeitet, sich aber dafür eventuell nicht so oft trifft. Außerdem sollte man sich überlegen ob man eher anhand von Fällen (Fall-AG) oder eher abstrakter mit bestimmten Problemen lernen will (Lern-AG). Wenn man in den Gruppen gemeinsam Fälle lösen möchte, sollte man verabreden ob diese in der Sitzung gemeinsam gelöst werden sollen oder ob jede_r Einzelne sie zu Hause löst und man dann nur die Ergebnisse auf der Sitzung bespricht.

Gewichtung der Fächer im Plan: Die Gewichtung der einzelnen Fächer im Lernplan sollte anhand der Anzahl der Klausuren erfolgen. So wäre es auf jeden Fall empfehlenswert den Schwerpunkt der Vorbereitung auf das Zivil- und nicht auf das Strafrecht zu setzen. Letztlich sollte aber natürlich jede Gruppe individuell entscheiden, wo sie noch stärkere Defizite im Wissen hat.

Orientierung für die Planerstellung: Für die Planerstellung kann man sich ganz gut an der Prüfungsordnung bzw. dem JAG orientieren. Dort sind alle für das Examen relevanten Rechtsgebiete detailliert aufgeführt. Für die Feineinteilung kann man Lehrbücher oder alte Skripte aus der Vorlesung heranziehen. Empfehlenswert ist die Vereinbarung auf bestimmte Referenzliteratur, also auf ein Lehrbuch aus jedem Rechtsbereich, an dem man sich entlang arbeitet. Die einzelnen Gruppenmitglieder können dabei natürlich noch zusätzliche Lehrbücher für sich selbst nutzen.

AG-Management: Ganz wichtig für das Funktionieren der Gruppe sind natürlich Absprachen zu Arbeitsabläufen. Für Jurist_innen nicht ganz abwegig ist die Vereinbarung eines „AG-Vertrags“, indem wichtige Sachen wie Arbeitsformalia, Rollenverteilung, die gemeinsame Entscheidungsfindung und Umgang mit Konfliktsituationen schriftlich festgehalten werden sollten. Generell sollte man in der Gruppe Absprachen einhalten, transparent kommunizieren, sich Zeit für Reflexionen nehmen und offen und kritikfähig sein. Die Sitzungsleitung sollte je nach Thema rotieren. Dabei sollten gerade die, die auf dem jeweiligen Gebiet kein großes Wissen haben die Sitzung leiten. So lernen sie schneller in ihren Defizitbereichen, weil sie sich für die Vorbereitung auf die Sitzung intensiver einarbeiten müssen.

Tipps für die eigene Vorbereitung

Letztlich ist die Arbeit in der AG nur ein Teil der individuellen Vorbereitung aufs Examen. Man sollte versuchen für sich selbst die beste Lernmethode zu finden: Vorlesungen besuchen, Lehrbücher lesen, mit Karteikarten oder Mindmaps lernen, oder mit Fällen arbeiten. Ganz wichtig ist auch sich selbst einen eigenen Plan zu erstellen, wann man z.B. am Tag/in der Woche lernen möchte und wann man sich seiner Freizeit widmen will. Das kann einen motivieren und die strukturierte Arbeit erleichtern.

Außerdem sollte man so früh wie möglich die Klausurenkurse der Uni besuchen. Dabei muss man sich allerdings im Klaren drüber sein, dass die Examensklausuren nicht mit den Uni-Klausuren verglichen werden können. So wird man sicherlich bei den ersten Klausuren schlichtweg durchfallen, auch wenn man im Studium stets gute Noten hatte. Mit der Zeit werden aber die Klausurergebnisse besser und man fühlt sich sicherer beim Schreiben. Die beste Methode ist es, bereits zum Ende des Studiums damit zu beginnen Examensklausuren zu üben.

Sollte man sich auf bestimmten Gebieten schwer tun, kann man sich auch damit weiterhelfen, indem man Tutorien in diesen Fächern anbietet. Die Tutor_innen bekommen dabei eine Menge Material von den Lehrstühlen und können sich so ziemlich gut in den Stoff einarbeiten. Außerdem ist die beste Lernmethode immer noch die, dass man das Gelernte anderen beizubringen versucht. Auch das korrigieren von Klausuren trägt zu einer besseren Übung bei.

Der akj Frankfurt bedankt sich an dieser Stelle bei unserem Referenten Philip Rusche und bei den Teilnehmer_innen ganz herzlich für den gelungenen Workshop. Wir hoffen auch nächstes Jahr diesen Workshop an der Uni Frankfurt anbieten zu können.

Hier gibt es nun noch die eingesetzten Folien des Vortrags zum Download:
Folien zum Vortrag Examen ohne Rep, 16.12.2011 (PDF)