Archiv für Januar 2012

Wahlprogramm 2012

1. Stu­di­en­be­din­gun­gen: Für ein gutes Stu­di­um und eine gute Uni

Man könn­te mei­nen, die Uni­ver­si­tät hätte im Wes­tend ihren ers­ten Cam­pus ge­baut: Das groß­zü­gig an­ge­leg­te Ge­län­de ist lei­der nicht zum Stu­die­ren ge­eig­net und schon gar nicht für die Stu­die­ren­den­zah­len, wel­che die Uni­ver­si­tät an­strebt. Die Hör­sä­le sind über­füllt, von der RuW-​Bi­blio­thek oder den meis­ten Tu­to­ri­en ganz zu schwei­gen. Das ist kein an­nehm­ba­rer Zu­stand! Wir set­zen uns für mehr stu­den­ti­sche Lern­or­te ein. Dazu ge­hö­ren für uns nicht nur mehr Sitz­plät­ze auf dem Cam­pus und ins­be­son­de­re in der Bi­blio­thek, son­dern auch selbst­ver­wal­te­te Cafés, stu­den­ti­sche Rück­zugs­räu­me zum Ler­nen und Reden. Die Bi­blio­thek ist nicht nur über­lau­fen, son­dern ge­ra­de im Hin­blick auf ak­tu­el­le und in­ter­na­tio­na­le Li­te­ra­tur nicht aus­rei­chend aus­ge­stat­tet.

Nicht nur die Lern­be­din­gun­gen ste­hen in der Kri­tik, auch die Ar­beits­be­din­gun­gen für die An­ge­stell­ten der Uni­ver­si­tät sind pre­kär. Wir wol­len, dass Stu­die­ren­de, die als Hilfs­kräf­te oder Tu­to­r_in­nen ar­bei­ten, aber auch alle an­de­ren Mit­ar­bei­ter_in­nen an der Uni­ver­si­tät (von dem Per­so­nal in den Ca­fe­te­ri­en, über die Rei­ni­gungs­kräf­te bis zu den An­ge­stell­ten der Bi­blio­thek) eine an­ge­mes­se­ne Ver­gü­tung und faire Ar­beits­ver­trä­ge er­hal­ten.

2. Jura in Frank­furt: Für einen kri­ti­schen Fach­be­reich

Unser Fach­be­reich steht für eine kri­ti­sche Per­spek­ti­ve auf das Recht: das um­fang­rei­che Grund­la­gen­stu­di­um er­laubt, sich um­fas­send mit dem Recht in allen sei­nen Fa­cet­ten aus­ein­an­der zu set­zen, die Kri­mi­no­lo­gie ver­steht Kri­mi­na­li­tät als ge­sell­schaft­li­ches Phä­no­men und nicht als Folge per­sön­li­cher Ver­feh­lun­gen; im Zi­vil­recht wer­den Pri­vat­au­to­no­mie und pri­va­te Sphä­re mit ihrer ge­sell­schaft­li­chen Ver­ant­wor­tung und Rolle kon­fron­tiert; im öf­fent­li­chen Recht wer­den Grund­rechts­ein­grif­fe als frei­heits­be­schrän­kend zu­rück­ge­wie­sen.

Doch diese kri­ti­schen Per­spek­ti­ven dro­hen auf­grund der Um­ge­stal­tung des Fach­be­reichs un­ter­zu­ge­hen. Pro­fes­su­ren mit kri­ti­scher Aus­rich­tung wer­den durch an­ge­pass­te­re Wis­sen­schaft­ler_in­nen er­setzt. Dem Fach­be­reich fehlt es schlicht an einer grund­le­gen­den Dis­kus­si­on über seine Aus­rich­tung. Als kri­ti­sche Ju­ris­t_in­nen wol­len wir die kri­ti­schen Per­spek­ti­ven in un­se­rem Fach­be­reich er­hal­ten, um neue An­sät­ze er­gän­zen und uns vor allem in den Be­ru­fungs­kom­mis­sio­nen für diese Ziele ein­set­zen.

3. Fach­schafts­ar­beit: Für eine trans­pa­ren­te und ak­ti­ve In­ter­es­sens­ver­tre­tung

Im letz­ten Jahr waren wir zum ers­ten Mal in der Fach­schaft ver­tre­ten. Was wir vor­fan­den, war ein Chaos. Die Fach­schafts­grup­pen, die schon über Jahre dort ver­tre­ten sind, hat­ten ei­ni­ges an Ar­beit un­er­le­digt ge­las­sen. Wir haben uns in der Fach­schaft dafür ein­ge­setzt, dass die Fach­schaft sich zu­nächst ein­mal selbst or­ga­ni­sie­ren konn­te, wir haben ver­sucht Ver­feh­lun­gen aus der Ver­gan­gen­heit auf­zu­ar­bei­ten, beim Auf­bau der Home­page sowie dem E-​Mail Ver­tei­ler mit­ge­wirkt und un­se­re For­de­run­gen ge­gen­über dem De­ka­nat kennt­lich ge­macht. Im nächs­ten Jahr wol­len wir die Fach­schaft nicht nur als reine Ser­vice­dienst­leis­tung für die Stu­die­ren­den be­grei­fen, son­dern als wirk­li­che In­ter­es­sen­ver­tre­tung, die ge­gen­über dem De­ka­nat und dem Prä­si­di­um auch hand­lungs-​ und durch­set­zungs­fä­hig ist. Im Fokus un­se­rer Ar­beit steht des­halb: die Stu­di­en­be­din­gun­gen für die Stu­die­ren­den zu ver­bes­sern und mit der Fach­schaft rechts­po­li­ti­sche Ver­an­stal­tun­gen zu or­ga­ni­sie­ren.

4. Klau­su­ren­samm­lung: Für eine Über­füh­rung in stu­den­ti­sche Hand

Die Klau­su­ren­samm­lung be­steht schon seit vie­len Jah­ren an der Uni­ver­si­tät Frank­furt, ge­hört aber mitt­ler­wei­le kei­ner Fach­schafts­grup­pe mehr. Auch die Gi­raf­fen – ob­wohl sie damit auf Stim­men­fang gehen – haben mit der Klau­su­ren­samm­lung nichts mehr zu tun. Wir for­dern die Über­füh­rung der Klau­su­ren­samm­lung in stu­den­ti­sche Hand: sprich unter die Ver­ant­wor­tung der Fach­schaft. Hier­für braucht die Klau­su­ren­samm­lung auch end­lich einen neuen Raum auf dem I.G.-​Far­ben-​Cam­pus. Wir set­zen uns dar­über hin­aus für eine Di­gi­ta­li­sie­rung der Klau­su­ren­samm­lung ein, um damit das Wis­sen für alle frei zur Ver­fü­gung zu stel­len.

5. Mit­be­stim­mung: Für eine de­mo­kra­ti­sche Hoch­schu­le

Die Hoch­schu­le muss ein de­mo­kra­ti­scher Raum sein. Hier­für ist es un­er­läss­lich, dass alle Grup­pen an der Uni­ver­si­tät Mit­be­stim­mungs­rech­te haben und Schran­ken, sowie Zu­gangs­hin­der­nis­se an der Uni­ver­si­tät ab­ge­baut wer­den. Wir for­dern des­halb, dass in allen Fach­be­reichs­gre­mi­en alle Sta­tus­grup­pen (Stu­die­ren­de, Pro­fes­sor_in­nen, Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter_in­nen und das Per­so­nal) gleich­be­rech­tig­te Stimm­an­tei­le haben. Zu einer de­mo­kra­ti­schen Hoch­schu­le ge­hö­ren auch trans­pa­rent ar­bei­ten­de Gre­mi­en. Die Uni­ver­si­tät muss ge­ra­de in ihrer Ver­wal­tung dafür sor­gen, dass alle Stu­die­ren­den die Mög­lich­keit haben Ein­blick in ak­tu­el­le Ge­scheh­nis­se, An­ge­bo­te und Dis­kus­sio­nen zu er­hal­ten.

Wir set­zen uns für den Abbau der Über­wa­chungs­struk­tu­ren an der Uni­ver­si­tät ein. Dazu ge­hö­ren die Ka­me­ras an den Ein­gän­gen der Ge­bäu­de und der Zaun um den Cam­pus, der die­sen künst­lich von der Stadt ab­tren­nen soll.

6. Rechts­po­li­tik: Für ein po­li­ti­sches Rechts­stu­di­um

Wir ver­ste­hen das Ju­ra-​Stu­di­um als ein po­li­ti­sches Stu­di­um, schließ­lich haben wir es in un­se­rem Stu­di­en­all­tag jeden Tag mit po­li­ti­schen Ver­fah­ren, Grund­rechts­ver­stö­ßen und struk­tu­rel­ler Ge­walt zu tun: Recht selbst ist po­li­tisch. Hier­zu ge­hört dann aber auch, dass wir uns mit Po­li­tik aus­ein­an­der­set­zen. Wir möch­ten zu einer Po­li­ti­sie­rung bei­tra­gen, indem wir – wie bis­her schon et­li­che Male – in­halt­li­che Ver­an­stal­tun­gen und au­to­no­me Tu­to­ri­en an­bie­ten. Viele The­men, die im Ju­ra-​Stu­di­um zu kurz kom­men, wol­len wir the­ma­ti­sie­ren, dar­un­ter zum Bei­spiel: Mi­gra­ti­ons-​ und Flücht­lings­recht, Ge­fäng­nis­kri­tik, Da­ten­schutz, Ur­he­ber­recht, Kri­mi­no­lo­gie, Men­schen­rech­te und fe­mi­nis­ti­sche Rechts­per­spek­ti­ven.

Über uns:

Wir sind die Fach­schafts­grup­pe, die sich aus dem ar­beits­krei­ses kri­ti­scher ju­ris­t_in­nen (akj) ge­bil­det hat. Der akj exis­tiert seit den 80er Jah­ren an der Uni Frank­furt. Wir möch­ten im Stu­di­um nicht nur die „herr­schen­de Mei­nung“ wie­der­käu­en, son­dern uns kri­tisch mit dem Recht und der Recht­spre­chung aus­ein­an­der­set­zen. Für uns ist das Recht kein blo­ßes An­wen­dungs­ma­te­ri­al von Rechts­nor­men – des­halb ge­nügt uns das Aus­wen­dig­ler­nen von Prü­fungs­sche­ma­ta und Mei­nungs­streits als Stu­di­um nicht. Viel­mehr ist das Recht ein grund­le­gen­des Mo­ment von Herr­schaft in un­se­rer Ge­sell­schaft und be­darf daher einer ge­sell­schafts­po­li­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung.

Wir tref­fen uns wö­chent­lich um mit­ein­an­der über ak­tu­el­le Rechts­strei­tig­kei­ten zu dis­ku­tie­ren, Texte zu lesen und Ver­an­stal­tun­gen zu or­ga­ni­sie­ren. Wir gehen aktiv gegen Re­pres­si­on vor, indem wir Hand­lun­gen von Po­li­zei und Ge­rich­ten kri­tisch be­ob­ach­ten und staat­li­ches Fehl­ver­hal­ten in die Öf­fent­lich­keit tra­gen. Dar­über hin­aus un­ter­stüt­zen wir uns ge­gen­sei­tig im Stu­di­um, denn ge­ra­de so­li­da­ri­sches Ver­hal­ten un­ter­ein­an­der kommt in einem durch Leis­tungs­druck be­stimm­ten Stu­di­um lei­der zu kurz.

Gruppenpraktikum der kritischen jurist_innen

Gemeinsam kritisch durchs Jurastudium

akj Flyer Gruppenpraktikum 2012

Das Recht ist eine politische Angelegenheit. Im Rechtsstudium fehlt dennoch weitgehend die Anbindung an soziale Kontexte und die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Konflikten, mit denen sich das Recht zu beschäftigen hat.

Statt alleine 4 Wochen Praktikum abzusitzen, organisiert der arbeitskreis kritischer jurist_innen (akj) daher ein rechtspolitisches Gruppenpraktikum.

Das Gruppenpraktikum ist ein Verbund mehrerer Praktikumsstellen in Kanzleien und Organisationen ergänzt um Austausch, rechtspolitische Vorträge und Diskussionen zu Themen, die im Studium nur unzureichend beachtet werden – jeweils am Freitag der vier Praktikawochen.

Praktikumszeitraum: 05.03.-30.03.2012

Vortreffen inkl. Vergabe der vom akj organisierten Praktikumsstellen
18.01.2012 // 18h // Raum RuW 1.101

Die Teilnahme an Gruppenpraktika wird grundsätzlich als praktische Studienzeit gemäß §§ 9 Abs. 1 Nr. 3 JAG, § 1 JAO anerkannt.